Gawker: Die Verwandlung eines Blogs

Die erfolgreichen Enthüllungs- und Tratschblogs des amerikanischen Anbieters Gawker Media, gegründet 2002 von Nick Denton, erreichen mittlerweile bis zu 1,6 Millionen Menschen pro Woche. Denton, ein in New York lebender Brite, der in den ersten Jahren den Gawker-Blog von seiner Wohnung aus führte, wurde bereits 2007 in der „Rich List“ der Sunday Times auf Platz 502 mit geschätzten 290 Millionen Dollar genannt.

Mehr als eine Million Leser erforden neue Wege, fand Denton, und formulierte eine Reihe von Veränderungen, die ab 2011 stattfinden sollen:

– der „Scoop“ (Gawker brachte zum Beispiel als erster die Meldung von Michael Jacksons Tod) wird durch nachfolgende Blogbeiträge schnell verdrängt. Dadurch gehen wiederum mögliche Leser verloren – und lukrative Anzeigenaufträge. Dentons Antwort: das Blog muss in ein „planbares“ Medium verwandelt werden, das gute Geschichten so lange vorhält, wie die Story Reichweite verspricht.
– Viele Blogger bloggen viel. Auch das birgt die Gefahr, dass reichweitenstarke Beiträge durch schwächere verdängt werden. Dentons Entscheidung: er beschäftigt ab nun Redakteure für die Aggregation und Journalisten für die Suche nach News.
– Die Homepage soll nun ein Gesicht bekommen, das vor allem von guten Bildern, Videos und Geschichten lebt; Gawker bekommt eine „Persönlichkeit“ verpasst.
– Werbeeinschaltungen sollen planbar werden – der bisher blogtypisch chaotische Auftritt wird sozusagen „ausgabenmäßig“ organisiert. Große und damit teure Geschichten können mit passenden Werbekampagnen unterlegt werden.

Redakteure und Journalisten, Ausgabenplanung, eine Titelseite und abgestimmte Werbekampagnen: alles deutet darauf hin, dass sich hier ein Blog in ein Online Magazin verwandelt! Es fehlt noch, dass die Blogger anfangen, Print-Ausgaben herauszugeben…

«Blogs sind ja eine Aneinanderreihung von persönlichen Befindlichkeiten von Leuten, die eigentlich für den Journalismus oder für die Öffentlichkeit keine wirkliche Bedeutung haben.» (Manfred Bissinger, vielfacher ehemaliger Chefredakteur, im Deutschlandfunk, Mai 2007)

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