Béla Bolten: Mord in der Nachbarschaft

Stellen Sie sich vor, sie gehen morgens aus dem Haus und stolpern auf dem Weg zur Arbeit über eine Leiche. Ein Mann mittleren Alters, augenscheinlich erstochen, denn das Messer steckt noch in seinem Rücken. Das jagt Ihnen einen Schauer über den Rücken, oder? Allein die Vorstellung, dass so ein grausiges Verbrechen in Ihrer Nachbarschaft passiert, lässt Ihnen das Blut in den Adern gefrieren … (Ein Gastbeitrag des Krimiautors Béla Bolten)


Sie rufen die Polizei, reden mit den Kommissaren, sehen, wie die Tatortermittler ihre Arbeit aufnehmen. Abends treffen Sie sich mit den Nachbarn. Es gibt nur ein Thema. Den Mord an Albert W., so wird der Mann in den Nachrichten genannt. In den nächsten Tagen liegt Spannung in der Luft. Gerüchte machen die Runde. Angeblich wurde der dicke Mann aus Hausnummer zwölf festgenommen – wie heißt er noch mal? Der kam ihnen ja noch nie geheuer vor. Am nächsten Tag wird er wieder freigelassen. Und wenn er es doch war? Auf jeden Fall läuft ein Mörder frei herum. Die Polizei befragt immer noch die Menschen in ihrem Viertel. Niemand hat etwas gesehen. Plötzlich kommt ein Gerücht auf …

Und jetzt stellen Sie sich bitte vor, Sie sitzen in der U-Bahn und lesen über ein Verbrechen in Berlin, München, Hamburg oder Wanne-Eickel. Merken Sie etwas? Genau: es berührt sie nicht oder zumindest weniger, als der Mord auf der anderen Straßenseite.
Ob wir in eine Geschichte emotional hineingezogen werden, hängt unter anderem davon ab, ob wir mit dem Ort, an dem sie spielt, vertraut sind. Das gilt nicht nur in der Wirklichkeit, sondern auch im Kriminalroman. Dem Autor muss es gelingen, einen Ort zu erschaffen, an dem sich der Leser – also Sie – sofort zu Hause fühlt. Ein Zuhause, in welches das Grauen das Verbrechens eindringt.

Um diesen Handlungsort und die in ihm lebenden Menschen so realistisch wie möglich zu gestalten, spielen meine Krimis in Konstanz am Bodensee, der Stadt, in der ich lebe. Die Verbrechen, über die ich schreibe, sind fiktiv – Konstanz ist kein allzu gefährliches Pflaster und ich könnte lange warten, bis ein Mord geschieht, der sich für einen Krimi eignet. Da konstruiere ich lieber einen fiktiven Plot, der sich logisch entwickelt und dessen verschiedene Fäden am Ende auch alle aufgenommen werden. Ein solche wohlüberlegte Geschichte ist spannender als die Profanität der meisten realen Delikte.

Aber die Menschen und Orte, über die ich schreibe, sind echt. Sollte ein Konstanzer mitlesen: Keine Angst, Namen und Äußeres verändere ich mit wenigen Ausnahmen (alles klar, Donato?) bis zur Unkenntlichkeit. Was bleibt, sind die Charakterzüge und die liebenswürdigen Schrullen der Seeanrainer. Dazu kommt die besondere Atmosphäre von Konstanz. Die einzigartige Lage am Bodensee, das zumindest im Sommer fast mediterrane Flair oder, wie in Leahs Vermächtnis, die unvergleichliche Fastnacht, bilden den realen Hintergrund, vor dem die Krimihandlung erst ihren besonderen Schrecken entwickelt.
Dabei sind die Berg und Thal Krimis keine Reiseführer. Kenner der Stadt können zwar auf den Spuren von Bettina Berg und Alexander Thal durch die Stadt spazieren, sie werden die Stellen finden, an denen der Fotograf im »Leahs Vermächtnis« seinen Op-fern auflauert und erkennen sicher das Hotel, in dessen Zimmer 117 Otto Sünders Lei-che gefunden wird.
Aber auch wer noch nie in Konstanz war, wird sich rasch heimisch fühlen in den Gassen der Altstadt, im Hafen oder auf der Promenade am See und beim Lesen das Grauen spüren, das einen bei einem Mord in der Nachbarschaft überkommt.

Den neuen Berg und Thal Krimi „Sünders Fall“ gibt es im Moment und nur für kurze Zeit zum Einführungspreis von 99 Cent!
Wer mit Béla Bolten auf den Spuren der Romane durch Konstanz spazieren möchte, hat noch bis Montag, 17.6.2013 die Chance, am Gewinnspiel teilzunehmen!

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