Buchvorstellung: „Keine Nacht ohne die Preußen“ von Franz Beckmann

Der 9. November ist für Deutsche ein geschichtsträchtiges Datum. An jenem Tag fanden historische Ereignisse wie die unrühmliche Reichspogromnacht, die Öffnung der Berliner Mauer und die Abdankung des preußischen Kaisers Wilhelm II. statt. Darüber hinaus ist es auch der Todestag von Markus Wolf, dem ehemaligen Chef der DDR-Auslandsaufklärung, der dem Bayer Franz-Josef Strauß einmal den Titel „GröBaz“ verlieh: „Größter Bazi*) aller Zeiten“. Dafür haben die Bayern den Stasi-Wolf fast schon wieder geliebt. (Ein Gastbeitrag von Franz Beckmann)

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Franz Beckmann (als Preuße verkleidet)

Die Bayern selber haben sogar noch ein weiteres Ereignis am 9. November: an jenem Tage im Jahr 1313 schlug das bayrische Heer das österreichische Heer in der Schlacht zu Gammelsdorf. Dass die Bayern den 9. November bislang noch nicht zu einem Landesfeiertag deklarierten, bleibt für immer eines der ungeklärten Mysterien der Weltgeschichte.

Der Bayer an sich hat in der Welt den Ruf Deutschlands geprägt. Wird in einer Filmkomödie ein Deutscher als Witzfigur benötigt, dann steckt man einen Schauspieler in Lederhose, setzt dem einen Tiroler Hut auf, gibt ihm als Requisite einen biergefüllten Maßkrug, lässt ihn „Jomei“**) brabbeln und fertig ist der erste Lacher bei den Zuschauern. Allerdings nicht bei allen. Sieht ein Bayer so einen Film, dann wird er stinkig, geht zum Schrank, holt sich seine Lederhose raus, setzt sich seinen Hut auf, geht in die nächste Kneipe, hockt sich vor einer Maß Bier und brabbelt sauer: „Jomei“.

Um die Seele der Bayern zu studieren, bietet sich jetzt idealerweise das Oktoberfest an. Da hocken alle in ihren Lederhosen vor ihren Bieren und … nein, sie brabbeln nicht „Jomei“ sondern singen zu bayrisch umgedengelter Hitparadenmusik. Über 6 Millionen Besucher hat das Oktoberfest jährlich. Jetzt ist es beileibe nicht so, dass jeder Bewohner der Millionenstadt sechs mal aufs Oktoberfest geht. Bei den Münchenern ist es wie bei den Rheinländern mit deren Karneval: die einen lieben es, die anderen fliehen davor und die restlichen ärgern sich, weil die Besucher mit Autos und Wohnwagen alle Parkplätze in Beschlag nehmen. Darum gilt auch, dass keine Oktoberfestnacht ohne Preußen statt findet. Oder „Südschweden“, wie der Bayer beim Bier so gerne nüchtern zu sagen pflegt. Auch wenn er schon besoffen ist.

Münchener bezeichnen ihre Stadt gerne als die „nördlichste italienische Stadt“. Angeblich wegen dem Flair. Aber hat schon wer italienische Städte gesehen, wo massenweise Bier in Trachtgewänder konsumiert wird? Bayern und sein München leben von Widersprüchen. Aber auch mit ihren Widersprüchen. Was wäre der „Bayern München“ ohne seinen damaligen preußischen Mitbegründer? Nicht existent. Was wäre die bayrische CSU ohne ihre preußisch geprägte Schwesterpartei CDU? Ein permanenter Kandidat an der 5%-Hürde. Was wäre der Wirtschaftsstandort München ohne die helfenden Hände der nach Bayern zugereisten Preußen? Nutznießer des Länderfinanzausgleichs. Was wären die Bayern ohne Preußen denn überhaupt? „Glücklicher“ würde jeder Bayer sofort lautstark antworten.

Der Bayer an sich ist kein bierdimpfelnder Trachtenträger, auch wenn er sich als solcher gerne beim Oktoberfest präsentiert. Der Bayer ist emotional, rational und gerne auch klerikal, selbst wenn er einen „Marx“ in München residieren hat. Aber erstens ist der kein Kommunist, zweitens katholischer Bischof und drittens sein Vorname „Reinhard“ und nicht „Karl“.

Keine Nacht ohne die Preußen

Preußische Tugenden satirisch reloaded von Franz Beckmann

Spielt die deutsche Fußballnationalmannschaft mal wieder Rumpelfußball, stehen Parteien direkt vor der Wahl, wird es wirtschaftlich eng, dann werden in Deutschland die Karten der preußischen Tugenden gespielt …

Bescheidenheit. Unterordnung. Fleiß. Gehorsam. Gottesfurcht. Redlichkeit … klassische „Preußen-Tugenden“ ganz subjektiv auf die Bayerische Seele projiziert. Das ist mit viel Wortwitz geschrieben und auf ersten Blick auch ziemlich böse. Auf zweiten Blick erkennt der Leser: der Autor liebt die Bayern aus ganzem Herzen. „… tiefsinnige Ironie mit einem leichten Hang zum Zynismus, wobei der Witz immer wieder locker die Oberhand gewinnt.“ (Leser) (2 Rezensionen / 4,5 Sterne) (ca. 183 Normseiten) – hier für Kindle kaufen!

In meinem Buch „Keine Nacht ohne die Preußen“ lehne ich mich zugegebenermaßen sehr weit aus dem Fenster. Nicht nur deswegen, weil ich die preußische Tugenden formal über die bayrische Seele stülpe, nein, sondern weil ich zudem auch noch Ungereimtheiten des alltäglichen und nicht-alltäglichen Lebens in München auf rein subjektiver, autologischer Art betrachte. Mir ist vollkommen klar, sollte es zu politischen Verwerfungen zwischen Bayern und Rest-Deutschland kommen, dass mich die Bayern aus eben dem selbigen schießen werden. Denn nichts täten die Bayern lieber, als mal wieder auf Preußen schießen zu dürfen. Gesetzlich noch verboten, aber bei ethnischen Konflikten wäre es den Bayern die Gelegenheit. Nach der Lektüre meines Buches würden Bayern sogar die preußischen Tugenden „Pflichtbewusstsein“ und „Gerechtigkeitssinn“ als moralische Rechtfertigung dienen.

Mein Buch „Keine Nacht ohne die Preußen“ ist nicht allein nur für Preußen gedacht. Bayern können und dürfen es auch lesen (ist allerdings fieserweise auf Hochdeutsch geschrieben, liebe bayrischen Grantler). Und damit sich der Zorn über den Inhalt in gemäßigten Bahnen hält, gibt es das Buch in der ersten Oktoberwoche ermäßigt zu 99 Cent. Damit allen mir nachher nicht mehr geneigten Leser genügend Geld verbleibt, sich auf dem Oktoberfest seinen Kummer mit diversen Maß Bier zu ersäufen … Prost.

*) „Bazi“ sagt der Bayer gerne zu einem Schlingel oder Spitzbuben.
**) „Jomei“ kann ein Bayer immer sagen, ist aber nicht auf preußisch übersetzbar. Am ehesten bedeutet es eine Mischung aus „so so“, „ja dann“, „na und“ und „Gott sei’s geklagt“.

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