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Das eBook und die Buchpreisbindung

eBooks, die in Deutschland verlegt werden, fallen unter die Buchpreisbindung. Der Verleger muss einen Preis festsetzen, den kein Händler verändern darf. Nach Auskunft des Justiziars des Börsenvereines, Dr. Christian Sprang, darf der Verleger den Preis seines Buches jederzeit verändern, so lange er an allen Verkaufsstellen der gleiche ist: „Preis­bin­dung heißt also nur, dass je­des Buch min­des­tens 18 Mo­nate lang übe­r­all das­selbe kos­tet, nicht, dass es 18 Mo­nate lang den­sel­ben Preis hat.“ (Aktualisierung: 13.1.2012)

Die Buchpreisbindung soll das Kulturgut Buch schützen – für den Leser bleibt damit laut Gesetzgeber eine breite Literaturpalette in einem weit gefächerten Buchhandel erhalten. Der Börsenverein des deutschen Buchhandels setzt das elektronische Buch einer gedruckten Ausgabe gleich, obwohl sich das digitale Biotop in wesentlichen Punkten von der stofflichen Welt unterscheidet – und eine Preisbindung durch das „Agenturmodell“ der großen eBook – Händler faktisch gegeben ist. Continue Reading →

eBooks im Aufwind: Wann stirbt das gedruckte Buch aus?

Bald! Möchte man meinen, wenn die vom Magazin Stern erhobenen Umfragewerte tatsächlich repräsentativ sind. Während laut Börsenverein des deutschen Buchandels der Anteil der eBooks am hiesigen Buchmarkt 2010 gerade mal 0,4 Prozent ausmachte, sind Ende 2011 bereits fünfzehn Prozent der Leser bereit, auf digitale Bücher umzusteigen.

Diese (aus meiner persönlichen Sicht überraschend hohe) Zahl an Befürwortern bedeutet gleichzeitig, dass 85 Prozent heute nicht bereit sind, das Buch aus Papier und Pappe aus der Hand zu legen. Der Stern interpretiert das als „überwältigende Mehrheit“ an eBook Verweigerern und verweist den prognostizierten „Durchbruch“ des eBooks in das Reich der Fabel. Ich kann mir bildlich vorstellen, dass diese Nachricht eines renommierten Magazins für manche geplagte Verlagsseele wie Balsam wirkt.

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Interview mit Rainer Schölzhorn: Macht das eBook den Buchhandel kaputt?

Es ist ein lauer Juniabend im verzauberten Park von Schloss Pienzenau in Meran. Unter dem dichten Blattwerk hundertjähriger Bäume, untermalt vom leisen Plätschern eines Brunnens und sanft aus versteckten Lautsprechern chillender Ambient Music, treffe ich Rainer Schölzhorn, Buchhändler, Unternehmer und Querdenker.

Rainer betreibt in zweiter Generation die „Buchhandlung Alte Mühle“ in der beliebten Kurstadt im Herzen Südtirols: „Natürlich kaufen auch meine Kunden bei Amazon und natürlich werden sie auch eBooks lesen. Ich als Buchhändler freue mich darüber, wenn mehr gelesen wird. Denn das belebt auch mein Geschäft mit Büchern aus Papier.“

„Wirklich?“, wende ich ein, „wenn ich mich erinnere, was mp3 und iTunes aus dem Plattenmarkt und dem guten alten Musikladen gemacht haben…“
„Der Massenbuchmarkt wird sicher immer mehr zu den großen Drei: Amazon, Apple und Google übergehen. Das trifft die Buchhandelsketten wie Thalia oder Hugendubel besonders. Letztendlich verkaufen die ihre Bücher vor allem über einen reinen Standortvorteil und ein elektronisch optimiertes Massensortiment. Das aber kann ein Google oder Amazon besser. Da der Point of Sale im Massenbuchmarkt sich immer mehr in den PC, das Kindle oder das iPad hinein bewegt, sieht die Zukunft für Superbuchmärkte sicher nicht rosig aus.“ Continue Reading →

eBooks: Was wird mit dem Buchhandel?

Der Umbruch im Buchmarkt lässt sich (parallel zum Musikmarkt – wer erinnert sich noch daran?) ganz einfach an einer kompletten Veränderung der gewohnten Wertschöpfungskette festmachen. Während in den letzten 300 Jahren der Wert eines Buches vor allem in seiner physischen Beschaffenheit begründet lag (und der Autor dabei den geringsten Anteil hatte) dreht sich dieses Verhältnis nun komplett um.

Wer verdient alles an einem Papierbuch? Der Verlag mit seinen Leistungen von Auswahl, Lektorierung, Grafik und Marketing; der Drucker; der Papierhersteller; die Vertriebsorganisation; der Buchhändler; und der Autor. Sein Anteil am Vertriebserlös ist allerdings – und das kann man nie genug betonen – immer der geringste.
Mit Einführung des Amazon- und Apple Modelles stehen wesentliche Teile dieser Wertschöpfung „Buch“ vor der kompletten Austrocknung. Denn die Lagerung, Auslieferung und Verrechnung übernehmen die für 30 % des Umsatzes. Der Rest fließt dem Urheber zu (falls der Autor sich entschließt, im Eigenverlag zu veröffentlichen).

Wie der Börsenverein des deutschen Buchhandels anlässlich der kürzlich stattgefundenen Buchtage in Berlin feststellte, wird es wegen des erstarkenden eBook – Marktes in den nächsten Jahren kräftige Veränderungen in der Branche geben. Bis 2025 sollen, so das Ergebnis der Fachausschüsse, alle Printprodukte um etwa ein Viertel zurückgehen, den klassischen Buchhandel wird ein Umsatzrückgang von 31 % ereilen. Vor allem das Schul- und Lehrbuchgeschäft wird „radikal“ zurückgehen; die Campus – Buchhandlung wird laut Börsenverein gar „verschwinden“. Was bedeutet das für die Verlage?

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