eBook schlägt Verlag

Inzwischen lese ich gerne mal ein Buch auf dem iPad. Vor allem das selbstleuchtende Display ist bei allen Lichtverhältnissen ausgesprochen augenfreundlich und das Gerät trägt auch in der Reisetasche weit weniger auf als ein 400 Seiten Hardcover.

Laut einer GFK Studie wurden bisher in Deutschland 450.000 Lesecomputer verkauft – ein Markt den sich das Kindle von Amazon, der Sony Reader, das Oyo von Thalia sowie andere Geräte teilen müssen. Daneben steht vermutlich eine Million iPad Tablets – womit der iBook Store die doppelte Verbreitung hat wie alle schwarzweiß Lesetabletts zusammen. Noch macht der elektronische Büchermarkt in Deutschland nur ein mageres Prozent des gesamten Buchgeschäftes aus – laut GFK waren das 2010 vier Millionen verkaufte eBooks.
In den USA ist dieses Geschäft weiter gediehen, Amazon verkaufte 2010 bereits mehr elektronische Bücher als Taschenbuch Ausgaben. Die wirkliche Revolution hinter der eBook Entwicklung ist aber, dass die Zugangshürden für eine Veröffentlichung fallen – und gleichzeitig die Umsatzbeteiligung des Autors kräftig steigt.

Amanda Hocking suchte acht Jahre lang vergeblich einen Verlag für ihre Vampirgeschichten. Dann veröffentlichte sie ihre Texte kurzerhand im Kindle eBook Shop – dazu muss man sich online anmelden, eine US Steuernummer und für etwaige Auszahlungen eine Kreditkarte besitzen. Hocking verkaufte bisher eine Million Exemplare ihrer Bücher. Da Amazon (genau so wie Apple) 70 Prozent des Umsatzes auszahlt, dürfte Amanda inzwischen mehrfache Millionärin sein – bei einem herkömmlichen Verlag hätte sie weit weniger verdient.

Die Indie Autoren experimentieren inzwischen Preismodelle zwischen 2,99 und 0,99 Dollar und tauschen sich in ihren Blogs über gewinnbringende Strategien aus – so mancher Hobbyautor kann sich auf diese Weise nebenher ein schönes Zusatzgehalt verdienen.

Für die Verlage bedeutet diese Entwicklung eine ernste Gefahr. Sie versuchen mit allen Mitteln, den Preis der eBooks hoch zu halten – und akzeptierten deshalb auch das Agenturmodell von Amazon und Apple. Schließlich haben die Verlage wesentlich höhere Strukturkosten zu tragen, als der freie Autor nebenan.

Kein Wunder, dass Bestsellautorin Amanda Hocking in den offiziellen Bestsellerlisten nicht auftaucht – die werden von den Verlagen und vom Buchhandel erzeugt. Amandas Leser kümmert das wiederum nicht.

Quellen: Amanda Hocking’s Blog, Derek J. Canyon’s Blog, Joe Konrath’s Blog, GFK

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One Response to eBook schlägt Verlag

  1. Ludwig 22. März 2011 at 16:36 #

    Es dürfte auch deutschsprachige Bestseller unter den Ebooks geben, die nirgends gelistet werden: der "PSratgeber" von Mario Brocallo soll sich ausgezeichnet verkaufen (jaja, ein delikates Thema: Pornosucht … da will keiner in eine Buchhandlung gehen …)

    Ludwig

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