Selbst ein eBook erstellen: Vermittlung

Im letzten Post habe ich zum Eigenverlag von eBooks bei Amazon und Apple geschrieben. Dieser Weg verlangt vom Autor beträchtliche Anstrengungen, was das Durchqueren des US Steuerdschungels und das Entwirren technischer Knoten (epub – Format) angeht.

Einfacher wird es, wenn man sich einen Vermittler nimmt, der als Verlag auftritt, gleichzeitig dem Autor aber hohe Beweglichkeit belässt.

1) epubli, ein Unternehmen der Holtzbrinck Gruppe. Mit der Option „epubli eBook plus“ (Kostenpunkt: 19,95 € im Jahr) wird unser eBook im iBook Store von Apple, bei Amazon und im epubli Store selbst veröffentlicht. Epubli sorgt für eine ISBN Nummer. Epubli zahlt immerhin 60 Prozent vom Nettoverkaufspreis aus, 80 Prozent bei Verkäufen im epubli Store.

Ich rechne: 4,99 € eBook Verkaufspreis – 30 % Apple Provision = 3,49 € Nettoverkaufspreis und davon 60 Prozent = 2,09 € Autorenprovision abzügl. Mehrwertsteuer.

Epubli kann keinen DRM Kopierschutz anbieten. Der Verlag rät deshalb, in das eBook einen moralisierenden Hinweis („Bitte achten Sie die Arbeit des Autors“) einzufügen. Die Konvertierung in ePub hat epubli ausgelagert; mit 90,- bis 200,- € muss der Autor rechnen. Da sollte er sich überlegen, ob er sich nicht selbst in die Technik einarbeitet und ein Tool wie etwa das Freeware Calibre ausprobiert.

Epubli tritt als Verlag auf und als Autor muss man einen Vertrag unterschreiben, der epubli das „ausschließliche Vervielfältigungsrecht“ übergibt. Der Preis des eBooks wird festgesetzt und kann in der Vertragslaufzeit nicht mehr verändert werden. Das Werk kann seitens epubli „ohne Angabe von Gründen entfernt werden“. Der Vertrag ist von beiden Parteien mit einem Vorlauf von 30 Tagen kündbar.

Aktualisierung vom 19.9.2011: Die Kündigungsfrist ist auf 5 Tage (!) zurückgenommen worden – was die Freiheit des Autors erhöht aber auf der anderen Seite recht wenig Sicherheit bietet…

2) BOD. BOD ist ein klassischer Autoren – Eigenverlag und baut auf Print Büchern auf. Demgemäß kann ein eBook über BOD nur veröffentlicht werden, wenn es gleichzeitig als Papierausgabe gebucht wird. Dieses BOD Classic kostet einmalig 39,- €, was für die Basisleistung inkl. ISBN Nummer nicht teuer erscheint. Für die „Datenhaltung“ wird in der Vertragslaufzeit 1,99 im Monat verrechnet.
Die Tücke liegt jedoch im Detail: der Preis der Printausgabe MUSS über den Printkosten liegen und beeinflusst dabei den Preis des eBooks.
Umfasst unser Vampir Roman also 400 Druckseiten, dann ist das billigste Paperback im Vertrieb schon mal 24,90 € teuer. Daraus errechnet BOD dann einen eBook Preis von 18,90 €. Die von BOD errechnete Provision verursacht Stirnrunzeln: ganze 3,99 € würden von diesem heftig hohen eBook Preis für den Autor übrigbleiben – 20 Prozent vom Verkaufspreis.
BOD veröffentlicht zur Zeit nur im iBook Store, nicht für den Amazon Kindle. Die Vorbereitung eines Textes für epub wird optional für 99,- € angeboten.

Aktualisierung vom 18.1.2012: BOD veröffentlicht Ihr eBook jetzt auch bei Amazon und den anderen bedeutenden eBook Shops.

3) Lulu.com: Lulu ist als Eigenverlag seit 2001 am Markt und bietet neuerdings auch einen reinen eBook – Vertrieb. Das eBook erscheint allerdings nur im Apple iBook Store und bei Lulu selbst.

Aktualisierung vom 19.9.2011: Lulu akzeptiert für die Veröffentlichung im iBook Store nur noch englischsprachige eBooks.

Die Basiskosten liegen in der einfachen Variante bei Null – Lulu vergibt die ISBN also als reine Vorleistung. Lulu tritt dafür als Verlag auf und zahlt Provisionen an den Autor aus: 80 % vom Nettoverkaufspreis!

Ich rechne: 4,99 € eBook Verkaufspreis – 30 % Apple Provision = 3,49 € Nettoverkaufspreis und davon 80 Prozent = 2,79 € Autorenprovision abzügl. Mehrwertsteuer.

Lulu bietet auf Wunsch einen DRM Kopierschutz; der kostet 25 US Cent pro verkauftem Exemplar und wird von der Autorenprovision abgezogen. Die ePub – Konversion lässt sich Lulu mit kräftigen Preisen von 99 – 299 Dollar bezahlen. Also besser selbst machen.

Lulu bietet einen zweiten Weg, bei dem es nicht als Verlag auftritt: wenn der Autor um 79,- € selbst eine ISBN kauft. Dann hat der Autor weiterreichende Möglichkeiten, etwa das eBook kurzfristig aus dem Verkehr zu ziehen oder den Preis anzupassen.

Lulu zahlt als US Unternehmen entweder per Scheck vierteljährlich (was bei niedrigen Summen wegen der hohen Einlösekosten sinnlos ist) oder monatlich über Paypal aus.

Fazit: epubli veröffentlicht bei Amazon und Apple – und zahlt harte Euros aus, was sicherlich ein Vorteil ist. Dafür kann das Buch kopiert werden. BOD verlangt eine Printausgabe parallel und erzeugt dadurch verkaufshemmende Mondpreise. Lulu ist flexibel und günstig aber beschränkt sich auf Apple; zahlt die höchsten Provisionen – dafür in Dollars, was bei schlechtem Wechselkurs das Einkommen schmälert.

Quellen: epubli, BOD, Lulu, ISBN Bestellung

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3 Responses to Selbst ein eBook erstellen: Vermittlung

  1. fufu 18. Mai 2011 at 12:30 #

    Ich habe noch einen Dienstleister gefunden, der ein recht großes "Verteilungsgebiet" anbietet: bookwire.

    Vielleicht für Dich in diesem Zusammenhang auch interessant :)

  2. Johannes Zum Winkel 18. Mai 2011 at 12:38 #

    Hi fufu, bookwire klingt interessant, vor allem das Versprechen, dass der Autor als Verleger gesehen wird und damit "Rechteinhaber und unabhängig" bleibt. Bei epubli zum Beispiel gibt man einen Großteil der Rechte ab, wenn man dort veröffentlicht.

  3. Michael 6. Dezember 2011 at 20:19 #

    Also, wenn ich das so recht sehe, gibt es in Deutschland keinen Anbieter, der so einfach und unkompliziert ist, wie z.B. smashwords in den USA.

    Man behaelt alle Rechte, sein Buch auch anderswo zu publizieren, man kann seine eBooks jederzeit aendern, den Preis korrigieren, kann sein literarisches Meisterwerk als Word Dokument hochladen und es wird von Smashwords in verschiedene eBook Formate konvertiert.

    Laut deren FAQ werden die eBooks auch im deutschen iBooks Store angeboten.

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